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23.03.2026
Von Olaf Preuß
Wirtschaftsreporter
Stand: 23.03.2026
"Mehr als 50 deutsche Schiffe mit rund 1000 Crewmitgliedern sitzen im Persischen Golf fest. Die Lage ist angespannt, Versorgung gesichert, psychische Belastung hoch. „Wir sind auch in Landnähe, so dass wir zur Not Nachschub ran holen könnten“, sagt Martin Kröger vom Verband der deutschen Reeder.
Der Reederverband VDR will mithilfe des Bundes eine personelle Reserve von Fach- und Nachwuchskräften für den Fall zunehmender globaler Verwerfungen aufbauen. Im Persischen Golf sitzen derzeit rund 1000 Seeleute auf Schiffen deutscher Reedereien fest.
Rund 2000 Schiffe sitzen derzeit am Persischen Golf und rund um die Meerenge Straße von Hormus fest. Grund dafür ist der Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Darunter sind 50 Schiffe von zehn deutschen Reedereien mit insgesamt etwa 1000 Menschen Besatzung an Bord, berichtete der Verband Deutsche Reeder (VDR) am Montag in Hamburg. Alle Besatzungsmitglieder seien derzeit wohlauf und ihre Versorgung sei gesichert, sagte VDR - Hauptgeschäftsführer Martin Kröger. Gleichwohl: „Die Gefahr, beschossen zu werden, ist real.“
Nicht nur am Persischen Golf ist die Schifffahrt derzeit ein heikles Geschäft. Auf Nord- und Ostsee werde die Navigation erheblich gestört, sagte VDR - Präsidentin Gaby Bornheim in Anspielung auf Russlands hybride Kriegsführung. Deshalb komme auf den Schiffen mittlerweile wieder „die gute alte Seekarte“ im Papierformat zur Anwendung. Das Schwarze Meer sei wegen des Ukrainekrieges ein „hochriskantes“ Seegebiet. An der Taiwanstraße zeigt Chinas Marine massive Präsenz, das Land droht immer wieder mit einer Invasion Taiwans, das es als Teil des eigenen Territoriums sieht. Im Roten Meer ist weiterhin Beschuss durch die mit Iran verbündete Huthi-Armee möglich.
Und in verschiedene Weltgegenden herrsche weiter intensive Piraterie, etwa vor den Küsten Afrikas, sagte Bornheim.
Vor diesem Hintergrund sucht die deutsche Schifffahrt mehr zuverlässiges Personal für den Ernstfall. Mit 1716 Schiffen aller Kategorien lag 2025 die insgesamt siebtgrößte Handelsflotte der Welt in der Kontrolle deutscher Reedereien, darunter die nach der Schweiz zweitgrößte Containerflotte. In der Containerschifffahrt dominiert die Schweiz derzeit wegen der stark gewachsenen Flotte der weltgrößten Reederei MSC. 851 Handelsschiffe deutscher Reedereien liefen Ende 2025 unter einer Flagge aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Union, darunter waren 257 Schiffe unter deutscher Flagge. Auch Portugal mit 411, Zypern mit 109 und Malta mit 37 Schiffen sind als Flaggenstaaten bei den deutschen Reedereien stark vertreten. 436 Schiffe liefen zudem unter der Flagge von Antigua und Barbuda, 351 unter der Flagge von Liberia, 78 unter einer Flagge „sonstiger“ Staaten. 287 deutsche Reedereien zählt der VDR derzeit: „Mehr als 80 Prozent der Unternehmen haben maximal bis zu zehn Schiffe“, sagte Bornheim.
Kröger und Bornheim forderten den Bund zur Einführung eines nationalen „Seedienstes“ auf, um Deutschlands maritime Präsenz als eine führende Außenhandelsnation auch angesichts weiter wachsender internationaler Spannungen sicherzustellen. Dieser Seedienst hätte aus Sicht des VDR drei Elemente: eine Präsenz junger Menschen an Bord im Rahmen des bestehenden freiwilligen Wehrdienstes – dieses eine Jahr könnte später auf eine maritime Ausbildung etwa als Schiffstechniker angerechnet werden; im Falle einer Dienstpflicht soll die Möglichkeit geschaffen werden, „einen Beitrag in der für die nationale Daseins-vorsorge unverzichtbaren Handelsschifffahrt zu leisten“; drittens sollen aktive Seeleute im Spannungs- und Verteidigungsfall weiter an Bord blieben dürfen, anstatt zur Deutschen Marine oder allgemein zur Bundeswehr eingezogen zu werden.
Im vergangenen Jahr begannen 537 Menschen eine Ausbildung an Land und auf See in der deutschen Seeschifffahrt. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 waren es noch 894, 2024 entschieden sich 499 Menschen zur eine Ausbildung in der Branche. Nur 4700 Seeleute haben die deutsche Staatsbürgerschaft, rund 7100 sind in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Insgesamt beschäftigt die deutsche Handelsflotte rund 60.000 Seeleute, die meisten von ihnen stammen aus asiatischen Staaten wie den Philippinen, bei den Offiziersrängen sind häufig Fachkräfte aus Polen oder der Ukraine an Bord. Beim Personal verzeichnet Deutschland deshalb mit Blick auf die mögliche weitere Eskalation internationaler Konflikte eine drastische Unterdeckung.
Für den Vorschlag zu einem nationalen Seedienst gibt es ein Vorbild: Bereits bis zur Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 konnten aktive Seeleute wegen ihrer Unabkömmlichkeit vom Wehrdienst zurückgestellt werden, weil sie für die Versorgung und den Transport unverzichtbar waren. „Wir brauchen langfristig eine noch größere nationale Personalbasis“, sagte Kröger. „In einer echten Krisenlage dürfen wir nicht überrascht dastehen, sondern müssen vorbereitet sein.“
Der Seedienst sei ein Angebot der Branche an die Politik, „maritime Kompetenz zu stärken. Jetzt geht es darum, zu gestalten statt zu verwalten. Denn eine resiliente Nation braucht nicht nur Soldatinnen und Soldaten, sondern auch Seeleute, die ihre Versorgung sichern – ein Beitrag zur gesamtstaatlichen Resilienz.“
Zur Person:
Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Werften und Häfen.
Und dann schreibt eine SUSANNE PREUß auch noch einen ähnlichen Bericht in der FAZ vom 24.03.2026 (siehe oben)!
Zufall oder doch kein Zufall.
Macht hier Familie Preuß gemeinsame Sache für den VDR?
Und darf ich fragen:
für Schiffe unter deutscher Flagge oder soll es auch für Schiffe gelten, die unter einem deutschen Management eingesetzt sind und mit Billig-Besatzungen fahren, oder auch um Schiffe, die durch deutsches Kapital international unterwegs sind, dabei diverse Flaggen nutzen, nur eben die Deutsche nicht.
Also für was soll der Nachwuchs im Notfall bluten?
Und was sagt der jeweilige Flaggenstaat dazu?
Propaganda? nach nur 12 Monaten kann man ein Schiff führen?
Dafür den Goldenen Poller!